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WKO.at - Wirtschaftskammer Kärnten

Geht nicht gibt‚s nicht:
Befähigungsprüfung trotz Sehbehinderung

Von Geburt an stark sehbehindert, hat Eva Wernhart gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen. Sogar die umfangreichen schriftlichen Prüfungen zur „Masseurmeisterin“ absolvierte die 37-Jährige bravourös. Gerda Knafl und Kerstin Böck von der Wirtschaftskammer Kärnten entwickelten dafür ein einzigartiges Service.

 

Schon mit 13 Jahren wusste Eva Wernhart, dass sie Masseurin werden wollte. „Ich sehe zwar extrem schlecht, aber dafür entwickelte ich ein besonderes Gespür für die Menschen und das, was sie brauchen“, erzählt sie. Seit 19 Jahren übt Eva diesen Beruf schon aus. „Weil ich nicht nur mit gesunden, sondern auch mit kranken Menschen arbeiten wollte, wurde die Befähigungsprüfung notwendig. Ich habe mir gesagt: Irgendwie probiere ich das jetzt und werde es schon schaffen.“

Gerda Knafl von der Meisterprüfungsstelle der Wirtschaftskammer Kärnten erklärte Eva Wernhart beim
ersten Kontakt den Ablauf: „Die vorgeschriebene Befähigungsprüfung besteht aus fünf Modulen. Allein die schriftliche Prüfung umfasst 230 Fragen, die in einer fünf- bis siebenstündigen Arbeit beantwortet werden müssen.“ Wegen der 75-prozentigen Sehbehinderung schlug Gerda Knafl vor, dass Eva Wernhart doch für den schriftlichen Teil um individuelle Befähigung ansuchen könne, was durchaus möglich sei. Doch das war nichts für Eva Wernhart: „Ich wollte das unbedingt durchziehen und gleich behandelt werden wie alle anderen.“

Erfolg hat viele Gesichter: „Masseurmeisterin“ Eva Wernhart mit ihrer Chefi n Sonja Wieser sowie Kerstin Böck und Gerda Knafl von der Meisterprüfungsstelle der Wirtschaftskammer Kärnten.Von so viel Durchsetzungswillen beeindruckt, telefonierten Gerda Knafl und ihre Kollegin Kerstin Böck quer durch Österreich, ob ein derartiger Fall schon einmal vorgekommen sei. Da niemand damit Erfahrungen hatte, fanden sie selbst folgende Lösung: „Damit es klappte, musste die Schrift groß genug sein. Also haben wir jede Frage einzeln auf A3-Format vergrößert, damit Frau Wernhart sie lesen kann.“ Auch die nächste Hürde wurde gemeistert: Mit den Prüfern kam man überein, dass die schriftliche Arbeit nicht in einem Stück, sondern innerhalb von zwei Wochen abgelegt werden konnte. Alle zwei Tage kam Frau Wernhart für ein paar Stunden in ein Büro der Meisterprüfungsstelle, erhielt einen Teil der Fragen und beantwortet diese mit Hilfe ihres Lesegeräts. „Die Prüfer haben die Arbeit ganz genau angeschaut und korrekt bewertet.“ Zweimal wiederholte sich diese Prozedur, da Eva Wernhart auch die Unternehmerprüfung ablegte. „Frau Wernhart ist uns in dieser Zeit richtig ans Herz gewachsen. Wir haben mit ihr mitgefiebert und -gezittert“, sagen Gerda Knafl und Kerstin Böck.

Für jede Prüfung wurden die Fragen auf A3-Format vergrößert. Die Mühe hat sich für alle Seiten gelohnt: Eva Wernhart hat nicht nur die Prüfungen mit tollen Noten geschafft, sondern auch schon einen neuen Arbeitsplatz im Altenwohn - und Pflegeheim Harbach in Klagenfurt gefunden. Ihre Chefin Sonja Wieser erinnert sich: „Wir haben eigentlich gar niemanden gesucht. Aber Frau Wernhart kam mit so einem Elan ins Büro, dass ich gar nicht Nein sagen konnte.“ Am 29. April wird sich Eva Wernharts Traum erfüllen: An diesem Tag erhält sie in der Wirtschaftskammer ihre Urkunde. Sie möchte Vorbild für andere sein: „Ich will doch den eigenen Kindern sagen können, was ich erreicht habe.“ Die fünfjährige Tochter Christina und Ehemann Harald sind schon jetzt stolz auf sie.

Nähere Infos: Meisterprüfungsstelle

Wirtschaftskammer Kärnten
Koschutastraße 3 | 9020 Klagenfurt am Wörthersee
T  05 90 904 850 | F 05 90 904 854
W wko.at/ktn/meisterpruefungsstelle

 
  Geschichten, die das (Wirtschafts-)Leben schreibt. Service, das die Wirtschaftskammer Kärnten bietet.