Fremdkapital

Das Fremdkapital stellt einen Teil der Mittel dar, mit denen das Unternehmensvermögen finanziert wurde. Fremdkapital ist gegeben, wenn die Kapitalüberlassung nach allgemeinen schuldrechtlichen Regeln kündbar und befristet ist, einen Vergütungsanspruch des Kapitalgebers begründet und der Kapitalgeber nicht an dem Unternehmen beteiligt ist und dementsprechend nicht haftet.

Die häufigste Form des Fremdkapitals bei Unternehmen ist der Bankkredit. Im Folgenden finden Sie Informationen zu Bankkrediten.


Arten von Bankkrediten

Die meisten Banken in Österreich sind heute Universalbanken und bieten so gut wie alle Bankgeschäfte an. Welche Bank für Sie die Richtige ist, hängt nicht nur von sachlichen, sondern auch von emotionalen Aspekten ab – es muss eben „rundherum“ passen: Geschäftspolitik der Bank, persönliche Beziehungen, gefühlte Wertschätzung, Konditionen.

Hier läuft es anders als in einer glücklichen Ehe: Auch wenn Sie mit Ihrer Hausbank zufrieden sind, sollten Sie doch einer zweiten Bank das Gefühl geben, eines Tages Ihre erste Bank zu werden – man bezeichnet diese Taktik als „Mehrbanken-Strategie“!

Je nach Verwendungszweck und Laufzeit gibt es unterschiedliche Kreditarten:

Investitionskredit

Der Investitionskredit dient der Finanzierung von

  • Anlagevermögen (wie zB Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, etc.) und
  • dem Umbau von Gebäuden.

Die Laufzeit eines Investitionskredites richtet sich nach der Nutzungsdauer des Investitionsgutes. ! Man spricht hier auch von der „goldenen Finanzierungsregel“: Alles was Sie langfristig nutzen, sollten Sie auch langfristig finanzieren!

Die Kreditsumme wird bei der Anschaffung der Investitionsgüter auf einmal ausbezahlt und später, zu vereinbarten Raten abgezahlt. Die anfallenden Kreditkosten können daher relativ genau in der Budgetplanung berücksichtigt werden.

Betriebsmittelkredit

Der Betriebsmittelkredit ist ein kurzfristiger Kredit (oftmals auch Kontokorrentkredit) zur finanziellen Überbrückung der Zeitspanne zwischen den Anschaffungsausgaben und den entsprechenden Verkaufserlösen.

Er dient der Finanzierung von

  • Waren, Rohstoffen, Betriebsstoffen, etc. und
  • der Vorfinanzierung sonstiger laufender Ausgaben, wie Miete, Betriebskosten, etc.

Bis zu der mit der Bank vereinbarten Höhe (Kontokorrent-Kreditrahmen) können Sie über diesen Kredit frei verfügen. Sie sind damit stets zahlungsbereit. Der Betriebsmittelkredit ist unbürokratisch und flexibel. Die Zinsen werden nur für den tatsächlich in Anspruch genommenen Kreditbetrag berechnet.

Der Betriebsmittel-Kredit sollte nur als kurzfristiges Finanzierungsmittel – für laufende Zahlungen und nicht für Investitionen – eingesetzt werden. Für diese flexible Kreditform erwachsen zusätzliche Spesen und Gebühren. Lassen Sie sich daher von Ihrer Bank über sämtliche Konditionen genau aufklären.

Haftungskredite

Bei einem Haftungskredit (Bankgarantie) geht die Bank die Verpflichtung ein, einen gewissen Betrag zu bezahlen, wenn Sie selbst dieser Verpflichtung nicht nachkommen. Bankgarantien dienen als Sicherstellung für Zahlungsverpflichtungen, z.B. im Anlagenbau oder anstelle einer Mietkaution.

Beachten Sie, dass die Bank bei oben genannten Finanzierungsarten Sicherheiten verlangen wird.


Kosten von Bankkrediten

Wenn von Kreditkosten die Rede ist, denken Sie vermutlich an Zinssätze. Tatsächlich entsteht aber noch eine Reihe weiterer Kosten, wenn Sie einen Kredit aufnehmen, zum Beispiel:

  • Bearbeitungsgebühr
    einmalig 0,5 bis 2 Prozent der Kreditsumme
  • Bereitstellungsprovision
    oft 0,5 Prozent im Jahr für den nicht ausgenutzten Rahmen, der von der Bank bereitgestellt wird.
  • Überziehungsprovision und –zinsen
    wenn Sie den gewährten Kreditrahmen überschreiten
  • Kontoabschluss-Gebühr
  • Barausgaben
  • Abfragen beim Kreditschutzverband
  • Grundbuchauszüge
  • Bewertungsspesen/Schätzgutachten
    bei der Bewertung von Sicherheiten
  • Zuschläge bei Fremdwährungskrediten
    wenn sich der Wechselkurs ändert

Die genannten Nebenkosten sind Verhandlungssache. Auch der Zinssatz selbst ist Verhandlungssache und nicht fix vorgegeben. Er ist u. a. von folgenden Faktoren abhängig:

  • allgemeines Zinsniveau
  • Bonität des Kreditnehmers
  • Laufzeit
  • Risiko-Einschätzung des zu finanzierenden Projekts
  • Sicherheiten
  • Zeitpunkt der Ratenzahlungen
  • Art und Zeitpunkt der Zinsverrechnung

Der Zinssatz kann fix oder variabel sein. Üblicherweise werden Sie einen variablen Zinssatz vereinbaren, d. h., wenn sich das allgemeine Zinsniveau ändert, ändert sich auch der Zinssatz. Sie sollten in jedem Fall eine Bindung des Zinssatzes an einen Referenz-Zinssatz (z. B. EURIBOR oder LIBOR) vereinbaren, um nicht ständig mit der Bank über den Zinssatz verhandeln zu müssen.

Beim Vergleich verschiedener Kreditangebote spielt der Effektiv-Zinssatz (jener Zinssatz, der sämtliche Nebenkosten inkludiert) eine entscheidende Rolle. Lassen Sie sich daher den Effektiv-Zinssatz angeben. Dies ermöglicht den direkten Vergleich zwischen verschiedenen Kreditangeboten.

Kapitalisierung, Raten- und Zinszahlung

Für die tatsächliche Zinsbelastung sind neben dem angegebenen Jahreszinssatz auch

  • die Kapitalisierung und
  • der Zeitpunkt der Zins- und Ratenzahlungen von Bedeutung.

Unter Kapitalisierung versteht man, wie oft ein Kredit im Jahr abgerechnet wird und damit Zinsen und Zinseszinsen zugeschlagen werden.

Beispiel:

Die Abrechnung erfolgt vierteljährlich.
Die Ratenzahlung erfolgt aber halbjährlich.
Es fallen Zinseszinsen an, da die Zinsen vierteljährlich aufgeschlagen und bis zur Bezahlung der Halbjahresrate nochmals verzinst werden.

Auch der Zeitpunkt der Zinszahlung beeinflusst die Kreditbelastungen:

  • Antizipativer Zinssatz:
    Sie müssen die Zinsen im Vorhinein für die nächste Zinsperiode, also z. B. für das nächste Quartal, zahlen. Ein antizipativer Zinssatz kommt in der Praxis kaum vor und würde einen Nachteil für Sie bedeuten.
  • Dekursiver Zinssatz:
    Hier zahlen Sie die Zinsen im Nachhinein, also z. B. für das letzte Quartal. Diese Variante ist in der Praxis üblich. In der Regel zahlen Sie Ihre Zinsen jeweils zu Quartalsende im Nachhinein, also Ende März, Juni, September und Dezember.

Es gibt zwei Möglichkeiten der Kreditrückzahlung:

  • Zahlung mittels Pauschalraten (= Annuitäten)
    Sie zahlen gleichbleibende Fixbeträge zurück, die sowohl die Tilgung (des aufgenommenen Betrages) als auch die Zinszahlung inkludieren.
  • Zahlung mittels Kapitalraten
    Hier wird zwischen der Tilgung des aufgenommen Kredites und den Zinszahlungen getrennt.
    • Vorteil
      Die Gesamtschuld wird schneller beglichen und Sie zahlen dadurch weniger Zinsen .
    • Nachteil
      Sie haben gegenüber der Zahlung mit Pauschalraten keine exakte Kalkulationsgrundlage
      Die Belastungen zu Beginn der Rückzahlungsperiode sind höher.

Sicherheiten

Wenn Sie einen Kredit wollen, müssen sie der Bank Sicherheiten bieten. Besonders wenn es sich um einen langfristigen Kredit handelt, spielen Sicherheiten für die Kreditzusage und die Berechnung der Zinsen eine entscheidende Rolle.

Bei einer Unternehmensgründung bzw. –übernahme müssen Sie sich darauf einstellen, dass Sie mit Ihrem gesamten Privatvermögen für den Kredit haften müssen. Die Bank wird nur in seltenen Fällen auf Ihre persönliche Haftung verzichten wollen. Vielleicht können Sie sich aber auf eine Beschränkung Ihrer persönlichen Haftung (z. B. auf einen im Vorhinein fixierten Prozentsatz der offenen Forderung) einigen.

Die Sicherheiten, die Sie der Bank bieten, müssen schnell liquidierbar sein, d. h. schnell zu Bargeld gemacht werden können.

Typische Sicherheiten sind

  • die Eintragung von Grundstücken und Eigentumswohnungen ins Grundbuch
  • Verpfändung von Lebensversicherungen
  • Hinterlegung von Sparbüchern oder Wertpapieren
  • Verpfändung von Forderungen
  • Verpfändung von Bausparverträgen
  • Verpfändung von Mietverträgen
  • Schmuck

Wenn Sie der Bank Ihre Sicherheiten anbieten, müssen Sie damit rechnen, dass diese von der Bank relativ niedrig bewertet werden. Bei Bewertung der Sicherheiten kalkuliert die Bank nämlich Kosten, die ihr bei der Verwertung der Sicherheiten entstehen würden, bereits mit ein.

Auch Bürgschaften können als Sicherheit dienen. Bevor Sie sich für diesen Schritt entscheiden, sollten sich aber alle Beteiligten über die Folgen einer Bürgschaft im Klaren sein.

Im Wesentlichen gibt es zwei Arten von Bürgschaften:

  • Solidarbürgschaft
    Hier kann die Bank, ohne an den eigentlichen Schuldner heranzutreten, gleich eine Zahlung vom Bürgen verlangen. Der Schuldner und der Bürge haften also solidarisch, d. h. gleichwertig.
  • Ausfallsbürgschaft
    Hier kann die Bank erst dann auf das Vermögen des Bürgen zugreifen, wenn Sie – als Kreditnehmer – Ihrer Zahlungsverpflichtung nicht nachgekommen sind. Wenn Sie eine Kreditbürgschaft von öffentlichen Haftungsträgern, wie z. B. der Austria Wirtschaftsservice Ges.m.b.H. bekommen, wird es sich immer um Ausfallsbürgschaften handeln.

In jedem Fall sollten Sie bereits im Vorfeld der Kreditverhandlungen überlegen, welche Sicherheiten Sie anbieten können.

Was tun, wenn Sie zu wenig Sicherheiten haben?
Einige Förderstellen können im speziellen Fall eine Haftung übernehmen. Informationen dazu finden Sie unter www.wko.at/ktn/foerderuebersicht oder im Rahmen einer persönlichen Förderberatung in Ihrer Wirtschaftskammer Kärnten.


Bonität & Rating

Frei nach dem Motto „drum prüfe, wer sich bindet ...“ bedeutet Basel II bzw. Basel III, dass Banken Zinsen für Kredite besser als bisher an das jeweilige Risiko anpassen sollen. In diesem Sinne wird mittels Kredit-Rating die zukünftige Wettbewerbs- und Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens ermittelt. . Gute Bonität ermöglicht kostengünstige Finanzierung und ist für jedes Unternehmen Erfolgs- und Wettbewerbsfaktor und zugleich Garant für eine bessere finanzielle Stabilität.

Nachfolgende Checkliste gibt Ihnen Anhaltspunkte, wie Sie die Bonität und die Finanzlage Ihres Unternehmens verbessern können.

Vermindern Sie den (verzinslichen) Gesamtkapitalbedarf

  • Fakturieren Sie alle erbrachten Leistungen umgehend
  • Vereinbaren Sie mit Ihren Kunden möglichst kurzfristige Zahlungsziele und zumindest branchenübliche An- und Teilzahlungen
  • Vereinbaren Sie für wiederkehrende Leistungen Daueraufträge oder Bankeinzug
  • Verkürzen Sie Zeiträume für Fakturierung und Mahnwesen
  • Optimieren Sie die Kapitalbindung in den Vorräten und senken Sie zumindest vor dem Bilanzstichtag die Warenvorräte auf den Mindestbestand ab
  • Verwerten Sie nicht betriebsnotwendiges Anlagevermögen (fragen Sie jedoch bezüglich steuerlicher Auswirkungen vorher Ihren Steuerberater)
  • Beantragen Sie Refundierungen (Lehrlingsprämien, Energieabgabenvergütungen, etc.) so früh wie möglich und nicht erst im Zuge einer allenfalls verspäteten Abgabe des Jahresabschlusses
  • Tragen Sie dafür Sorge das Bareinzahlungen in Kassen möglichst kurzfristig auf Betriebsmittelkonten eingezahlt werden
  • Saldieren Sie erhaltene Anzahlungen (so weit möglich) mit gegebenenfalls in den Vorräten aktivierten noch nicht abrechenbaren Leistungen – damit wird die Bilanzsumme, welche auch als Basis für die Berechnung der Eigenkapitalquote dient, verkürzt.

Die Bonität hängt natürlich auch von den Zukunftsvisionen, den Marketingstrategien und Management-Qualitäten des Unternehmens ab.

Beim Kredit-Rating spielen u.a. folgende Faktoren eine bedeutende Rolle:

  • Management
  • Kunden- und Lieferantenstruktur
  • Vertrieb
  • Branchenrisiken
  • Kunden-Bank-Beziehung
  • Informationsverhalten des Unternehmers

Für Sie als Unternehmer bedeutet Basel II bzw. Basel III also, dass Sie Ihre Erfolgsaussichten in Zukunft noch detaillierter der Bank darstellen müssen, wenn Sie einen erschwinglichen Bankkredit bekommen wollen.


Kreditverhandlungen

Hier ein paar Tipps auf dem Weg zur erfolgreichen Kreditverhandlung:

  • Kredit früh genug beantragen
    Reden Sie frühzeitig und persönlich mit Ihrer Bank. Je größer der Kreditbetrag, desto länger wird das Genehmigungsverfahren dauern.
  • Konkrete Anliegen
    Überlegen Sie sich vor dem ersten Termin genau, was Sie konkret von der Bank wollen. Wofür und wie lange brauchen Sie den Kredit? Bedenken Sie, dass die Nutzungsdauer des Investitionsgutes mit der Laufzeit des Kredites korrelieren sollte.
  • Gute Vorbereitung
    Kommen Sie gut vorbereitet zum Kreditgespräch. Bringen Sie alle nötigen Unterlagen zum Gespräch mit:
    • Businessplan
    • Finanzierungsplan
    • Bilanzen
    • Kostenvoranschläge
    • zusätzliche Infos zu technischen Daten und zum Management
  • Wahrheitsgetreue Aussagen
    Legen Sie die Karten auf den Tisch! Bleiben Sie bei Angaben über Ihre Vermögens- und Ertragslage unbedingt bei der Wahrheit.
  • Sicherheiten
    Überlegen Sie, welche Sicherheiten Sie anbieten können.
  • Effektivzinssatz
    Vergessen Sie nicht, dass – mit Ausnahme der Kreditgebühr – die Nebenkosten des Kredites prinzipiell Verhandlungssache sind. Verlangen Sie einen Effektivzinssatz, in dem alle Nebenkosten inkludiert sind.
  • Zinsbindung
    Vereinbaren Sie im Fall eines variablen Zinssatzes eine Zinsbindung an einen Referenzzinssatz (z. B. Euribor, Libor).
  • Tilgungsfreie Zeiträume
    Bei Investitionskrediten sind tilgungsfreie Zeiträume üblich. Verhandeln Sie aus, dass Sie die erste Kreditrate erst nach einer gewissen Zeit (z. B. erst nach sechs, acht, zehn oder zwölf Monaten) bezahlen müssen.
  • Angebote von mehreren Banken
    Holen Sie immer von mehreren Banken Kreditangebote ein. So erhalten Sie eine Marktübersicht. Klären Sie ab, wie lange der Zinssatz fix ist und von welcher Größe er danach abhängig gemacht wird. Nur mit diesen Angaben können Sie die Angebote miteinander vergleichen.
  • Rückzahlungsraten
    Stimmen Sie die geplanten Rückzahlungsraten mit den zu erwartenden Erlösen ab, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden.
  • Bestätigungen
    Lassen Sie sich Kreditzusagen schriftlich bestätigen.
  • Förderungen
    Scheuen Sie nicht davor zurück, Förderungen aktiv anzusprechen und zu nutzen.
  • Kommunikation mit der Bank
    Betrachten Sie Ihre Bank auch nach der Unterzeichnung des Kreditvertrages als Partner in Geldangelegenheiten. Informieren Sie Ihre Bank über wichtige geschäftliche Ereignisse und über den laufenden Geschäftserfolg. Vermeiden Sie nicht besprochene Kontoüberziehungen.

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